18.12.25

Anhebung des Studierendenwerksbeitrags

Land lässt Studierende im Regen stehen – Studierende müssen Kostensteigerungen in der sozialen Infrastruktur alleine schultern.

Osnabrück, 18.12.2025 – Das Studierendenwerk Osnabrück sieht sich gezwungen, den Studierendenwerksbeitrag zum Wintersemester 2026/2027 um 42 Euro auf 135 Euro und zum Wintersemester 2027/2028 um weitere 12 Euro auf dann 147 Euro zu erhöhen. Dies hat der Verwaltungsrat am 11. Dezember 2025 nach intensiver Diskussion beschlossen.

Die finanzielle Lage des Studierendenwerks hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Während die Kostensteigerungen in den Jahren 2022/2023 noch durch Sondermittel des Landes abgefedert werden konnten, sind diese zusätzlichen Hilfen inzwischen ausgelaufen. 

Es liegt in unserer DNA, die soziale Infrastruktur für Studierende aufrechtzuerhalten. Die Erhöhungen sind erforderlich, um Einnahmeverlusten aus rückläufiger Finanzhilfe, den Folgen sinkender Studierendenzahlen sowie den jährlichen strukturellen Personal- und Sachkostensteigerungen entgegenzuwirken.

Die geplante Wiedereinführung des Niedersachsenmenüs begrüßt das Studierendenwerk ausdrücklich. „Das ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und trägt leider nicht zu einer auskömmlichen Finanzierung der niedersächsischen Studierendenwerke bei. Ich habe den Eindruck, dass sich das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unter Falko Mohrs sehr für die Studierendenwerke einsetzt, Studierende bei der Mittelverteilung im Landeshaushalt jedoch trotzdem nicht ausreichend berücksichtigt werden“, so Stefan Kobilke, Geschäftsführer des Studierendenwerks Osnabrück.


Niedersachsen ist hier kein Einzelfall. Bundesweit kämpfen Studierendenwerke mit unzureichender Landesförderung. 
DSW-Vorstandsvorsitzender Matthias Anbuhl erklärt: „Wenn die Länder ihre Studierendenwerke nicht stärker unterstützen, sind Chancengleichheit und soziale Teilhabe gefährdet.“  Anbuhl: „Die Studierendenwerke bilden das soziale Fundament des deutschen Hochschulsystems.“

Der Dachverband der Studierendenwerke fordert daher: 
Höhere Länderzuschüsse für die Studierendenwerke!


In Niedersachsen wurde die Finanzhilfe des Landes für die Studierendenwerke in den letzten 25 Jahren nominal nur um 3,2 % angepasst. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stiegen die Ausgaben für den Landeshaushalt um 102,7 % und die Studierendenwerksbeiträge zur Kompensation der Kostensteigerungen um 388 %.

Die letzte Anpassung der Finanzhilfe deckte lediglich rund 9 % der Tarifsteigerungen der niedersächsischen Studierendenwerke für das Wirtschaftsjahr 2024.

In den kommenden Jahren ist mit jährlichen Kostensteigerungen von rund zwei bis fünf Prozent in den Bereichen Personal, Energie, Zinsen und Sachausgaben zu rechnen. Hinzu kommen Aufwendungen für den Erhalt der Infrastruktur sowie für energetische Sanierungen der Wohnanlagen, die sich aus den Klimazielen des Landes Niedersachsen ergeben. 
Weitere Infos zur Finanzierung des Studierendenwerks.


„Unser gesetzlicher Auftrag ist es, Studierenden bezahlbaren Wohnraum, eine kostengünstige Verpflegung sowie verlässliche Serviceangebote zu bieten. Ohne eine deutliche Stärkung durch das Land Niedersachsen geraten wir jedoch an die Grenzen unserer Möglichkeiten“, betont der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Studierendenwerks, Professor Dr. Alexander Schmehmann.

„Finanzieller Spielraum zur Schaffung von zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum oder zur Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele Niedersachsens ist in der beschlossenen Erhöhung nicht inkludiert. Der Verwaltungsrat hat sich in seiner Sitzung ganz klar dagegen ausgesprochen, notwendige Sonderprogramme des Landes durch Beitragsanpassungen zulasten der Studierenden umzusetzen“, so Professor Dr. Alexander Schmehmann.


Appell des Verwaltungsrates an die Politik

Das Studierendenwerk fordert weiterhin von der Landespolitik, die öffentliche Finanzierung an die Kostenentwicklung anzupassen. Angesichts hoher Beiträge, steigender Lebenshaltungskosten und zunehmender Mietbelastungen geraten viele Studierende finanziell an ihre Grenzen. 

Die wachsende finanzielle Belastung gefährdet nicht nur die soziale Teilhabe am Studium, sondern auch die Attraktivität Niedersachsens als Hochschulstandort. Das Land braucht dringend gut ausgebildete Fachkräfte. Wenn Studierende sich ein Studium hier nicht mehr leisten können, fehlen diese Nachwuchskräfte in wenigen Jahren an allen Ecken und Enden.


Situation der Studierenden

Auch Studierende sind durch massiv steigende Kosten immer stärker finanziell belastet. Die anhaltend hohe Inflation treibt insbesondere die Ausgaben für Wohnen, Energie und Lebensmittel nach oben, während die staatliche Unterstützung nicht Schritt hält. So liegt die Wohnpauschale im BAföG weiterhin bei 380 Euro, während die durchschnittliche WG-Miete für Studierende bereits bei 493 Euro liegt.
 

FAQ zur Beitragsanpassung

Was ändert sich konkret?

Der Studierendenwerksbeitrag wird zum Wintersemester 2026/2027 um 42 Euro auf 135 Euro angehoben. Zur Kompensation der strukturellen Kostensteigerungen steigt der Beitrag zum Wintersemester 2027/2028 um weitere 12 Euro auf dann 147 Euro. 

Warum wird der Studierendenwerksbeitrag angepasst?

Der Studierendenwerksbeitrag basiert auf dem Solidarprinzip: Alle tragen gemeinsam dazu bei, dass unsere Angebote für alle bezahlbar bleiben. Mit der Beitragsanpassung wollen wir größere Preisanpassungen in den Mensen und Cafeterien sowie Standortschließungen vermeiden und so die sozialen Leistungen für Studierende sichern

Die Erhöhung ist notwendig, da die Finanzlage des Studierendenwerks durch unterschiedliche Faktoren belastet ist: Die Sondermittel des Landes für die Jahre 2022/2023 sind ausgelaufen und wir erhalten eine geringere Finanzhilfe, u. a. weil aufgrund von sinkenden Studierendenzahlen weniger Mensaessen ausgegeben werden. Hinzu kommen strukturelle jährliche Kostensteigerungen von rund 2–5 % für Tarif-, sowie Energie- und Sachkosten.

Wir finanzieren eure soziale Infrastruktur, wie Mensen und Cafeterien, bezahlbare Wohnplätze sowie kostenlose Beratungsangebote. Als Nonprofit-Organisation arbeiten wir nicht gewinnorientiert – eine Beitragserhöhung dient nicht dazu, Gewinne zu erzielen.

Trotz intensiver politischer Lobbyarbeit und des solidarischen Schulterschlusses mit den Studierenden sind die Erfolge zu einer auskömmlichen Anpassung der Finanzhilfe überschaubar. Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen des Landes und der Haushaltslage ist eine signifikante Erhöhung der Zuschüsse leider nicht zu erwarten.

Kurz gesagt: Die Beitragserhöhung soll die laufenden Angebote sichern und größere Preis- oder Leistungsverschlechterungen vermeiden.

Welche Alternativen standen zur Auswahl?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten für uns, mit steigenden Kosten umzugehen:

  1. Interne Prozessoptimierung: 
    In den letzten Jahren haben wir unsere internen Abläufe in allen Bereichen umfassend überprüft und effizienter gestaltet. Weiteren Spielraum für Einsparungen ohne Leistungseinschränkungen sehen wir aktuell nicht. 
    [Siehe auch Frage „Wurden bereits alle Möglichkeiten zur Kosteneinsparung ausgeschöpft?“]
     
  2. Preiserhöhungen in unseren Mensen und Cafeterien: 
    Aktuell geben wir steigende Wareneinsatzkosten bereits an unsere Gäste weiter. Weitere Preiserhöhungen wollen wir den Studierenden nicht zumuten.
     
  3. Anpassung des Studierendenwerksbeitrags: 
    Dies ist aus unserer Sicht die fairste Lösung. Alle Studierenden tragen gemeinsam dazu bei, dass unsere Angebote bezahlbar bleiben und die soziale Infrastruktur gesichert ist.

Wie hoch ist der Studierendenwerksbeitrag im niedersachsenweiten Vergleich?

Im Wintersemester 2026/2027 liegen die Beiträge der Studierendenwerke OstNiedersachsen, Göttingen und Hannover zwischen 130 € und 157 €. Mit einem Beitrag von 135 € liegt Osnabrück im niedersachsenweiten Vergleich im Mittelfeld. 

Wurden bereits alle Möglichkeiten zur Kosteneinsparung ausgeschöpft?

Ja. In den letzten Jahren haben wir unsere internen Abläufe in allen Bereichen umfassend überprüft und effizienter gestaltet. 2024 hat zudem ein externes Unternehmen unsere Prozesse in allen Mensen und Cafeterien analysiert. Das Ergebnis: Abgesehen von kleineren technischen Anpassungen – die wir dann auch direkt umgesetzt haben – bestehen keine weiteren Einsparpotenziale. 

Bereits umgesetzt haben wir unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Nachfrageorientierte Anpassung der Öffnungszeiten
  • Bedarfsorientierter Personaleinsatz in den vorlesungsfreien Zeiten
  • Einführung von KI-gestützten Kassensystemen zur langfristigen Reduzierung der Personalkosten und als Antwort auf den Arbeitskräftemangel
  • Umstellung des Standorts Caprivi auf ein Bistrokonzept zur Senkung der Betriebs- und Personalkosten
  • Verlegung des Bistro Vechta ins 1. OG zur Reduzierung der Betriebs- und Reinigungskosten
  • Umstellung des Salatbuffets auf Selbstbedienungskonzepte
  • Digitalisierung von Verwaltungsprozessen
  • Reduzierung der Beschäftigtenanzahl um 24 % von 354 (2019) auf 269 (2024)

Weitere Kostensenkungen sind daher zum aktuellen Zeitpunkt nur möglich, wenn wir unser Leistungsangebot für Studierende einschränken würden. Das möchten wir unbedingt vermeiden.